moderne21 - Politik, Satire, Zivilgesellschaft


Katharina Gebhardt, Marco Ammer, Anita Puppe, Anthony Krauskopf, Björn Roth, Alice Grinda, Carl von Hollen, Ingrid Gokeler (diverse moderne21-Initiativen)

Allgegenwärtige Musik erhöht die Lebensqualität
Das berichtet uns die Marktforschung immer wieder - also muss es ja stimmen. Die Initiative DUDELSTOPP macht sich aber ihre eigenen Gedanken.

Vertrauen in die politische Klasse Deutschlands
Jede Gesellschaft hat die Politiker, die sie verdient. Wir akzeptieren das und reagieren mit einer klaren WAHLABSAGE auf unsere Volksvertreter.

Beim Staat ist das Gewaltmonopol gut aufgehoben
Die menschliche Natur ist tendenziell etwas brutal. Daher will die Initiative GEWALT-GEHT-IMMER Klartext reden und mit rosaroten Illusionen aufräumen.

Die Vorteile des modernen Lebens überwiegen klar
Die Initiative WIR-SIND-WICHTIG soll ausgebrannte und entwurzelte Werktätige moralisch dabei unterstützen, weiterhin Opfer für die Wirtschaft zu bringen.




Initiative 'Wahlabsage'
MEHR DEMOKRATIE, WENIGER POLITIK

Initiative 'Wahlabsage'

Bereits seit Jahren machen immer weniger Bürger von ihrem demokratischen Wahlrecht Gebrauch. Das ist etwas undankbar. Als Argument wird häufig angeführt, zu viele Politiker würden mit ihrem Tun und selbst mit ihrem Nichtstun Menschen schaden, ihnen die Unwahrheit sagen oder sie sogar finanziell übervorteilen. Trifft das zu oder ist es nur üble Nachrede ?

# Klaus Wowereit duldete Räumung des Tacheles: Empfindlicher Verlust für Berliner Freigeister

# Schützenhilfe aus dem Süden d. Republik: Lob aus Baden für Initiative 'Wahlabsage'




Initiative 'Dudelstopp'
MUSIK OHNE ZWANG

Initiative 'Dudelstopp'

Eine Handvoll Initiativen fordert neuerdings die Reduzierung von Gratis-Musik im öffentlichen Raum. Man kann nur hoffen, dass die Akteure die Folgen ihres Tuns gut abwägen. Die Initiative `Dudelstopp - Musik ohne Zwang´ setzt sich seit 15 Jahren mit der konfliktträchtigen Materie auseinander und ist mal Freund, mal Feind der Beschallungs-Industrie.

# Initiative `Dudelstopp´ dementiert Einflussnahme auf Gema: Wir sind unschuldig !

# Stiftung für unfreiwillige Musikhörer ?: Schwierige Verhandlungen mit der Musikindustrie




Initiative 'Gewalt geht immer'
VIOLARE HUMANUM EST

Initiative 'Gewalt geht immer'

Der staatliche Umgang mit Gewaltkriminalität ist vorbildlich und wird von den Bürgern mit großem Vertrauen belohnt. Gewalt ist ein natürlicher Teil der sozialen Ordnung – ohne sie käme es zu Anarchie. Verantwortungsbewusste Frauen und Männer sollten sich bemühen, aggressive Menschen nicht durch übertrieben selbstbewusstes Verhalten zu provozieren.

# Der Souverän vor der Mattscheibe mag Gewalt: Hauptsache, dem Publikum gefällt´s

# Kritik wegen täterorientierter Kriminalpolitik: Die institutionalisierte Verbrechensbekämpfung




Initiative 'Wir sind wichtig'
DER WIRTSCHAFT ZULIEBE

Initiative 'Wir-sind-wichtig'

Immer mehr Menschen treten wegen ihrer Unentbehrlichkeit in Beruf und neuen Medien in ihrem Sozialleben kürzer. Sie bringen auf Kosten von Familienleben und emotionaler Stabilität Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft und damit das Gemeinwohl. Die Initiative 'Wir-sind-wichtig' und die Politik zollen ihnen daher größten Respekt.

# Unfairerweise als `Weicheier´ verunglimpft: Neue Männer braucht das Land

# Karriereschäden durch Kinder: Unsere Initiative sieht sich von der EU unterstützt


moderne21
Impressum, Datenschutz, Wikipedia





'moderne21' entstand aus und gehört nach wie vor zu der 'Hörspieler'-Seite





Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
Video: Die Tacheles-Satiren (m21-Werkschau)
TACH.-SATIREN

Diskussion
Diskussion 'Kann staatsnahe Kunst uns vor zu viel Freiheit schützen ?'
KUNST-DISKUSSION





moderne21
Willkommen in der Phobokratie






Hauptstadt Berlin






Freie und Hansestadt Hamburg






Zitate aus den moderne21-Initiativen

"Unser Sozialsystem hinkt im Vergleich mit Wolkenkuckucksheim seit Jahrzehnten hinterher." (Initiative GEWALT-GEHT-IMMER)

"Eine Partei gegen Arschlöcher hätte beim Wahlvolk doch gar keine Chance." (Initiative WAHLABSAGE)






Jessica Holpert-Mang war für die Initiative `Wir-sind-wichtig´ bei `moderne21´
STAATSNÄHE

Satire-Stiftung `moderne21´

Was geht hinter den Mauern exklusiver Stiftungsrepräsen-tanzen vor sich ? Wir zeigen an dieser Stelle nicht auf andere, sondern gewähren Einblick in den Alltag unserer eigenen, erklärtermaßen staatsnahen Satire-Stiftung `moderne21´ mit Sitz im schönen Hamburg. Dort wurden kürzlich vier Initiativen vorstellig, die miteinander um Fördergelder konkurrierten.

# Die Stiftung `moderne21´: Überparteilich und keine Geisel des herrschenden Zeitgeistes

# Entlarvendes Tondokument wirft Frage auf: Ist das Stiftungswesen zu staatsnah ?




Mehrwertiger Berliner Diskutant
DIE HAUPTSTADT GEHT VOR

Bündnis `Berliner Mehrwert´

Berlinerinnen und Berliner sind als Hauptprofiteure des Länderfinanzausgleichs de facto `mehr wert´ als Bewohner anderer Bundesländer. Aus der von den Hauptstädtern geleisteten gesellschaftspolitischen Pionierarbeit werden früher oder später jedoch alle Bundesbürger großen Nutzen ziehen, somit ist die vermeintliche Bevorzugung Berlins gerechtfertigt.

# Mit besten Empfehlungen der sexy Armen: Berliner Bündnis als Vorbild für NRW

# Die Frau auf der urbanen Straße next vierbeinigem 'Kind': Misslungene soziale Experimente




Schwarze Szene in dunklem Licht
SUBKULTUR

Schwarze Szene in dunklem Licht

Der sich ganz überwiegend als unbegründet herausgestellt habende Extremismus-Verdacht gegen Darkwaver und Goths verhallt allmählich, da steht bereits ein neuer ernster Vorwurf im Raum: Die häufig zur Schau gestellte Familien- und Kinderfeindlichkeit der Schwarzen Subkultur, die nach wie vor besonders in der Bundesrepublik viele Anhänger hat, grenzt Zugewanderte und Geflüchtete aus.

# Europapolitikerinnen warnen vor Karriereschäden durch Kinder: Antinatalismus-Verdacht ?




Spalten oder Zusammenführen in der Freien und Hansestadt Hamburg ?
FÖDERALISMUS

Freie und Hansestadt Hamburg

Die spätestens seit der Wiederwahl von Bundespräsident Steinmeier immer weiter um sich greifende Spaltung der Gesellschaft in 'gut' und 'schlecht' tritt besonders augenfällig in Hamburg zutage mit dem FC St. Pauli, Barbara Schöneberger, dem NDR oder der Hafencity auf der guten sowie dem HSV, Rocko Schamoni, DESY oder der Strandperle auf der schlechten.

# Mit über 42.000 Studiosi die schönste Bildungseinrichtung im Norden: Die Universität Hamburg


Diskussion
Diskussion zum Thema 'Nichtwähler'
NICHTWÄHLER

Video
Impressionen von der letzten Tacheles-Demo (01.09.2012)
LETZTE T.-DEMO





moderne21
Selbstverständnis von moderne21
tacheles-Diaspora 2022





Diskussion
Diskussion zum Thema 'Berliner Mehrwert' (Zusammenfassung)
BERL. MEHRWERT

Diskussion
Diskussion zum Thema 'politische Aktionskunst'
AKTIONSKUNST





moderne21
Sitemap, mobile Ansicht







Zitate aus den moderne21-Initiativen

"Manchen Menschen scheinen ihre Lebenslügen wirklich verdammt viel fremdes Geld wert zu sein." (Initiative DUDELSTOPP)

"Wenn man nicht berühmt ist, lebt man trotzdem. Die Körperfunktionen setzen nicht aus." (Initiative WIR-SIND-WICHTIG)






Unterstützer des 'Kunsthauses Tacheles' in Berlin-Mitte
POLITISCH KORREKT

Bündnis 'Kreative Mitte'

Seit langem schon geben Politik und Verwaltung vor, was gut und was richtig ist. Aber neuerdings will eine wachsende Zahl von Menschen nicht mehr auf sie hören und diese Entscheidungen für sich selber treffen. Die Mandatsträger sind verunsichert. Sollte vielleicht die Kunst für die Mächtigen in die Bresche springen und mehr politische Korrektheit fördern ?

# Mauern einreissen, Gräben zuschütten, Brücken bauen: Die kreative Mitte Berlins

# Gegen totalitäre Denkverbote und ideologische Scheuklappen: Die 'Correctness' der Mitte




Tacheles-Aktivistin in Berlin
MONTAGSSPAZIERGÄNGE ?

Die `Tacheles-Diaspora´

Das weltbekannte Kunsthaus Tacheles wehrte sich jahrelang gegen die Machenschaften einer enthemmten Finanzindustrie. Berliner Politiker - wie etwa Klaus Wowereit - konnten oder wollten den Künstlern nicht helfen. moderne21 verlor ihre Wahlheimat. Aber nach wie vor leben freie Künstler die tacheles-Diaspora. Einige von ihnen gehen sogar spazieren.

# Eine Kultur-Institution ist Vergangenheit: Berliner Kultursenat beerdigt `Tacheles´

# Der Rechtsstaat neben unseriösen Investoren: Unsanierte Mietshäuser in begehrten Lagen




Protest gegen Uploadfilter ungerechtfertigt: Die Verhältnisse in der EU sind nicht mit denen autoritärer Regime vergleichbar
UNGEHORSAM

Protest gegen Uploadfilter

Wo Internetnutzer und Meinungsfreiheitsfundamentalisten angesichts der EU-Urheberrechtsreform unbegründeterweise befürchten, sie würden von staatlichen Institutionen gegängelt, von Politikern übergangen und dem Primat der Wirtschaft unterworfen, stellen sie bewusst oder unbewusst das Friedensprojekt Europa in Frage, was nicht unterstützt werden kann.

# Europaweiter Aktionstag gegen EU-Urheberrechtsreform: Demo gegen Uploadfilter




Bei den Wahlen am 26. Mai geht es um die Rettung von Europa
AUFRUF

Rettung von Europa

Bei den letzten Direktwahlen zum Europäischen Parlament entschiedt sich, ob das Friedensprojekt Europa fortgesetzt werden kann. Rechtspopulistische Parteien versuchten mit Hilfe von negativem Framing, einen Keil zwischen die Europäische Union (EU) und den Kontinenten Europa zu treiben, indem sie sich anmaßten, gleichzeitig für Europa und gegen die EU sein zu können.

# Unverblümte O-Töne über den Brüsseler Lobbyismus: Eine Geschäftsfrau spricht Klartext




ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVEN UND POLITISCHE SATIRE BEI moderne21:

DIE DARSTELLER:
ANGELA JEHRING, BENJAMIN KRAUSE, INGRID GOKELER, DIRK EYKENBOOM, NADJA GROTEFENDT, ANTHONY KRAUSKOPF, VERA GÖPFERT,
CHRISTOPH DROBIG, CARO KUNDE, BJÖRN ROTH, JUDITH BAREIß, CEM ATALAY, KATHARINA GEBHARDT, INGMAR SKRINJAR, NADIA PANKNIN,,
PEER GAHMERT, ANITA PUPPE, LARS MÖHRING, EVA MATH, CARL VON HOLLEN, DÉSIRÉE ANGERSBACH, ASAD SCHWARZ-MSESILAMBA,
BENJAMIN HIRT, LORENA MANZ, JOSEF GEREGA, MALAH HELMAN, ALICE GRINDA, MARCO AMMER.





Über uns

Das Selbstverständnis von moderne21

Wenn Bürger dieses Landes die Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kritisieren, ist dies in den allermeisten Fällen völlig ungerechtfertigt, denn bei den gescholtenen Spitzenkräften handelt es sich fast ausnahmslos um seriöse Experten, die sich fest am Gemeinwohl orientieren. Dennoch möchte die sich satirischer Mittel bedienende freie Politik- und Kunstplattform moderne21 jenen Fehlgeleiteten eine Stimme und ein wenig Halt geben, die fälschlicherweise meinen, sie würden von staatlichen Institutionen bevormundet, von Politikern übervorteilt und von der Wirtschaft ausgebeutet.

Wir alle wissen, dass die Bundesrepublik ein Land mit Zukunft ist und dass die ungewöhnlichen Veränderungen im Bevölkerungsaufbau Deutschland interessanter machen. Durch die absehbare demografische Entwicklung stehen große Umbrüche bevor, die von verantwortungsbewussten Bürgern als Chance begriffen werden. Daher wird an der bereits in den siebziger Jahren getroffenen Entscheidung konsequent festgehalten, die störungsanfällige soziale Keimzelle `Familie´ nach und nach durch kompetente staatliche Einrichtungen zu ersetzen. Gefährliche Irrlehren wie solche, nach der die kinderlose Single-Gesellschaft keine Zukunft hat, können folgerichtig nicht geduldet werden.
Als für die allgemeine Lebensqualität besonders günstig erweisen sich außerdem die weitreichenden Aktivitäten des Sozialstaats, dessen Beschäftigte ein großes Interesse an der Zufriedenheit und Sicherheit der Bevölkerung haben und dennoch bestrebt sind, ihre Arbeit lieber heute als morgen überflüssig zu machen. Aus dem wachsenden Einfluss des Staates auf das Leben der Menschen resultiert ein Mentalitätswandel, der Tatendrang und Optimismus fördert.

Zivilgesellschaftliche Projekte wie moderne21 bringen sich mit Kreativität, Zeit und Geld für gemeinschaftliche Zwecke ein. Sie wollen Politik, Wirtschaft, Medien und Verwaltung bei der Bewältigung der Folgen gesellschaftlichen Wandels mit Hilfe eigener Ideen und künstlerischer Ausdrucksformen zur Seite stehen. Ebenso wie alle relevanten politischen Kräfte lehnt moderne21 den Kapitalismus ebenso ab wie ihr gleichzeitig der Ausbau des Wohlfahrtsstaates am Herzen liegt. Sie verschließt sich nicht dem Dialog mit den Mächtigen, sondern geht auf sie zu, um sie brüderlich zu umarmen.


Nadia Panknin als 'Dr. Sonja Schmidt-Peters'


Politische Heimat

Die Zeit im Tacheles

Im virtuellen Dauer-Hype des Internetzeitalters sind Macher und `User´ naturgemäß wenig sentimental, was Orte und Institutionen in der realen Welt anbelangt. Unter den zahlreichen Politik- und Kunstplattformen des Netzes entschloss sich jedoch namentlich `moderne21´ ab 2006 mit ihren diversen Projekten mit dem damals weltbekannten aber durch spekulanten bedrohten Kunsthaus an der Oranienburgerstraße zu kooperieren. Die satirisch angehauchten politischen Diskussionen, die die Plattform zwischen 2006 und 2012 in loser Folge in verschiedenen Teilen des Hauses veranstaltete, deckten ein breites Themenspektrum ab und konnten trotz der sicht- und fühlbaren Nähe zur Kunst nicht als `abgehoben´ bezeichnet werden.

Dennoch musste man sich auf einzelne gesellschaftspolitische Felder beschränken und konzentrierte sich auf jeweils zwei generelle sowie spezielle Phänomene: Politische Partizipation ('Wahlabsage') Kunsthaus 'Tacheles'und Gewaltkriminalität ('Gewalt geht immer) auf der 'Meta-Ebene' sowie Individualisierung ('Wir sind wichtig') und auditive Autonomie ('Dudelstopp') auf der 'Mikro-Ebene', wobei es zwischen den einzelnen Phänomenen natürlich Wechselwirkungen gab (z.B. 'Gewaltmusik'). Das Konzept ging auf, die Satireplattform konnte sich als feste Gruppe um das Kunsthaus Tacheles etablieren und war bis zu dessen friedlicher - wenn auch juristisch erzwungener und politisch geduldeter - Räumung im Jahr 2012 in den gewaltfreien Widerstand gegen die Neubebauung des Areals eingebunden. Dem folgenden Umzug der Kernbelegschaft der `Tachelesen´ aus der Berliner Mitte ins angesagte, wenn auch deutlich abgelegenere, Neuköllner `Rollbergviertel´ folgt moderne21 allerdings nicht.

Im Internet ist die Satireplattform seit Jahr und Tag als feste Rubrik funktionell an die Medienseite 'die Hörspieler' angeschlossen, weshalb gegenseitige Beeinflussung, Inspiration oder gar Ansteckung nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.


Erste Initiative

Wollen wir Friedhofsruhe ?

Im Jahr 2007 startete die Initiative Dudelstopp, die den Missstand unfreiwilligen Musikkonsums verstärkt ins öffentliche Bewusstsein rücken und für mehr Rücksicht werben wollte. Ihre provokativen Thesen verbreitete die Initiative gemeinsam mit einer Gruppe von Schauspielern und der Hilfe von Internetvideos. Dies so erfolgreich, dass sich scheinbar paradoxerweise viele Popgruppen und -künstler aus Deutschland offiziell mit der vermeintlichen Dudelstopp-Bewegung solidarisierten, wozu einer der Aktivisten über `ZEIT online´ erklärt: `Ich sehe das als Geste, dass die Dauerbeschallung mit ihrer Musik nicht immer im Sinne der Bands ist.´

Noch bevor der Begriff des `Wutbürgers´ geprägt und damit undifferenziert manches zivilgesellschaftliche Engagement in populistisches Spießertum umgedeutet wurde, veranstaltete die Initiative Dudelstopp 2006 ihre erste Diskussion im `Welturlaub´, einer Galerie im Erdgeschoss des 'Kunsthauses Tacheles'.
Neben dem grundsätzlich neugierigen Laufpublikum, welches das ganze Jahr über zahlreich im Tacheles auf Entdeckungstour war,Lautsprecher reisten auch eine Reihe wütender Bürgerinnen und Bürger zur Veranstaltung `Musik ohne Zwang´ nach Berlin an. Ihnen wurde zwar keine Lösung ihres auditiven Wohlstandsproblems geliefert, aber immerhin konnten sie ihren über die Jahre aufgestauten Druck ablassen in der Gewissheit, im Kunsthaus ein angemessenes Forum hierfür gefunden zu haben. Natürlich wurde auch im laufenden Tacheles-Betrieb nahezu permanent sowohl musiziert als auch musikalisch experimentiert, gelärmt und nicht zuletzt auch gedudelt. Letzteres aber nachweislich nicht auf Geheiß der Musikindustrie, sondern lediglich als Zugeständnis an diejenigen Besucher des Kunsthauses, denen eine große Ruine voller Kunst ganz ohne Hintergrundgesäusel unheimlich gewesen wäre.


Zweite Initiative

Mehr Demokratie, weniger Politik

Im `Welturlaub´ diskutierte 2008 der Publizist Florian Felix Weyh mit Sympathisanten sowie Aktivisten der Initiative Wahlabsage, die sich satirisch mit dem Nichtwählerphänomen auseinandersetzte. Weyh hatte sich auf die Modernisierung des Wahlrechts spezialisiert, um dem zunehmenden Politikverdruss beizukommen. Bei der Podiumsdiskussion forderte der Publizist von den Initiative, den Wählern nahezubringen, „warum sie Nichtwähler sein dürfen".

Für Fragen und Diskussionen rund um die thematischen Komplexe von mehr Bürgerbeteiligung und Basisdemokratie schien das pauschal als `alternativ´ eingestufte `Kunsthaus Tacheles´ als authentischer und glaubwürdiger Veranstaltungsort die passende Kulisse zu bieten. Später gaben sich bei der Auseinandersetzung mit 'Wahlabsage' an diesem Ort auch Vertreter der freien Demokraten sowie der Grünen ein Stelldichein, Initiative 'Wahlabsage'was freilich nicht dazu führte, dass deren Parteien sich in den folgenden Jahren im Überlebenskampf des Tacheles ein Bein für die Künstler ausgerissen hätten.

Auch bei dieser Initiative blieb moderne21 ihrer Strategie treu, Schwächen der `finalmodernen Gesellschaft´ auf satirische Art darzustellen. Im Fall der Nichtwähler richtete sich das Augenmerk nun auf die zu Unrecht häufig durch die Medien diffamierten vermeintlichen Abgehängten und Wütbürger. Im Aktionsvideo 'Verkannten Modernisierern den Rücken stärken' war die Aktivistin Malah Helman mit der Aussage zu hören, dass eine neuzugründende `Partei gegen Arschlöcher´ an der Wahlurne von Mercedesfahrern und Kampfhundehaltern mit Sicherheit nicht eine einzige Stimme bekäme. Trotz Vereinnahmungsversuchen vornehmlich linker Kreise hielt die WAHLABSAGE-Initiative strikt ihren politisch neutralen Kurs.


Dritte Initiative

Violare humanum est

Die Initiative Gewalt geht immer stellt den paradoxen Umgang staatlich Verantwortlicher mit Gewaltkriminalität als Symptom eines von der Gesellschaft gänzlich entkoppelten Justiz- und Sozialarbeiterapparats heraus. Eine der wichtigsten Professionen in diesem Zusammenhang, die Soziologie, wurde dabei von Kritik nicht ausgenommen, da die Aufgabe ihrer Vertreter anspruchsvoller beschrieben werden sollte als lediglich die `Erstellung hochbezahlter Gefälligkeitsgutachten´, wie man einem alternativen Nachrichtenmagazin zu Protokoll gab.

Naturgemäß heikel waren daher inhaltlich die Veranstaltungen der Initiative `Gewalt geht immer – violare humanum est´, die ihre satirisch angehauchten Thesen zunächst 2008 im `Weltladen´ und später auch in der `Neuen Galerie´ zur Diskussion stellte. Projekt 'Gewalt-geht-immer'Angesichts der gebotenen Ernsthaftigkeit des `Gewalt´-Themas wären an wohl jedem anderen Veranstaltungsort die vor dem Eingang ihrem täglichen Gewerbe nachgehenden Drogendealer oder die deutlich hörbar im Hintergrund laufende orientalische Musik sehr negativ ins Gewicht gefallen – beim Tacheles gab man sich hier jedoch großstädtisch tolerant und abgeklärt. Zumal sich die Medien beim Thema Gewaltkriminalität, bei dem speziell in Berlin wie kaum an einem anderen Ort Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, extrem zurückhielten und über die Veranstaltungen bis auf die obligatorischen Programmhinweise erst lieber gar nicht informierten.

Den Diskussionen, unter anderem mit einem Vertreter des `Weißen Rings´ sowie einer Juristin der FU Berlin, tat dies jedoch keinen Abbruch. Sie gerieten streckenweise jedoch recht heftig, da auch persönlich Betroffene anwesend waren - ein Grund mehr für die Massenmedien, den Aktivisten in puncto Berichterstattung für das heikle Thema `Kriminalität´ zunächst einen (Maul-)Korb zu verpassen.


Vierte Initiative

Alles für die Wirtschaft

Die vierte im Kunsthaus Tacheles geborene Initiative Wir sind wichtig, die sich mit den Verlierern der Individualisierung beschäftigte und die Opfer der Single-Gesellschaft zu Wort kommen ließ, traf offenbar erneut den Nerv der Zeit.

Bei Ihrer erstmaligen Vorstellung in der Oranienburger Straße erinnerte Daniel Fallenstein von den damaligen `Freunden der offenen Gesellschaft´ zwar an eine Zeit, zu der "Eremiten hoch geachtet wurden" - aber die Achillesferse hochmoderner Länder wie der Bundesrepublik tritt dennoch immer wieder deutlich zu Tage: Individualisierte Selbstverwirklicher leben zunehmend entfremdet und empfinden sich als entwurzelt. Vereinsamung wird zum Massenphänomen, über das aus Scham viel zu selten gesprochen wird. Die neue Initiative wollte hier eine Schweigespirale offenlegen. Mit ihren erstmals auch mit geschauspielerten Videoclipps stießen sie zumindest im Internet auf Interesse der an ihren Lap- und Desktops gefesselten deutschen Cyborg-Generation.Projekt 'Wir-sind-wichtig'

Die Initiative `Wir sind wichtig – der Wirtschaft zuliebe´ lud ebenfalls 2008 in der `Neuen Galerie´ zur Diskussion unter anderem mit Teilnehmern des politischen Stammtisches um die `Freunde der offenen Gesellschaft´, die sich bei ihren Treffen bereits häufig mit dem Phänomen der Individualisierung und seinen Folgen auseinandergesetzt hatten. Als zentraler Punkt der kontroversen Diskussion erwies sich das Thema `Einsamkeit´ einer stark wachsenden Zahl in die Jahre gekommener Singles. Es wurde relativiert, lamentiert und getröstet - am Ende jedoch blieben die meisten Besucher der Veranstaltung ratlos zurück, sei es weil sie sich selber biographisch als Betroffene wahrnahmen, sei es weil sie sich einfach außer Stande sahen, schmerzhafte Aspekte dieses Tabu-Themas - und sei es nur im Rahmen einer abendlichen Diskussion - selbst mental zu verkraften.


Erstes Bündnis

Berliner Ignoranz

Um auch noch regionale Aspekte des Phänomens städtischer Individualisierung zu beleuchten, legte die Initiative `Wir sind wichtig - der Wirtschaft zuliebe ´ im Jahr 2010 noch einmal nach mit dem von ihr initiierten Bündnis zum Berliner Mehrwert, das sich fernab hochbezahlter Image-Kampagnen ('be berlin') für die Anerkennung der gesellschaftspolitischen Voreiterrolle der Hauptstadtbewohner stark machte.

Bei der zugehörigen Podiumsdiskussion kam auf jeweils zwei Besucher bereits ein Hund, womit auch optisch deutlich wurde, wohin die moderne Familienpolitik, die sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert, lebensweltlich hinausläuft.
Während der auf Video aufgezeichneten Diskussion mit der mittlerweile als Kulturlobbyistin tätigen Dr. Sonja Peters sowie Daniel Fallenstein stellte man mit einer gewissen Befriedigung fest, dass Berlinerinnen und Berliner als Hauptprofiteure des Länderfinanzausgleichs de facto `mehr wert´ sind als Bewohner anderer Bundesländer.

Gegen die Kritik aus Hessen, Bayern und Baden-Württemberg an diesem Umstand wurde nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer adäquat von den Entscheidungsträgern der Hauptstadt mit der vermeintlich geleisteten gesellschaftspolitischen Pionierarbeit der Spreemetropole unter Führung der Sozialdemokratie argumentiert. Das derart frei von störenden Selbstzweifeln ins Leben gerufene Bündnis 'Berliner Mehrwert' leistete fortan Aufklärungsarbeit über die vom Zeitgeist als positiv und progressiv gewertete Rolle der Hauptstadtpolitik, wobei es insbesondere aus der Berliner Bloggerszene Aufmerksamkeit und Unterstützung erhielt - wer sägt schon gerne an dem Ast, auf dem er selber sitzt ? Es wäre vermutlich vermessen gewesen aus der Start-up und Web2.0-Szene der Stadt ernsthaften Gegenwind gegen diese Satire zu erwarten.


Zweites Bündnis

Verstoßen aus dem Zentrum

Seit dem Jahr 2009 sah man sich bei der Politik- und Satireplattform moderne21 gezwungen, sich um mehr als ausschließlich um Inhalte zu kümmern, da ihre kreative Wahlheimat, das im Zentrum der Hauptstadt gelegene weltbekannte Berliner `Kunsthaus Tacheles´, allmählich Begehrlichkeiten bei Investoren und Bauspekulanten weckte.

Zusammen mit den Künstlern der Berliner Institution, die jährlich über 400.000 Besucher zählte, leisteten Aktivisten Kunsthaus 'Tacheles'und Unterstützer Aufklärungsarbeit über den sich abzeichnenden 'Tacheles-Skandal', in dem die Hauptstadt-SPD unter Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit eine unrühmliche Rolle spielte. Trotz dreieinhalb Jahren zähen, kreativen und friedlichen Widerstandes wurde das `Kunsthaus Tacheles´ im September 2012 auf Betreiben der HSH-Nordbank von der Polizei geräumt - eine empfindliche Niederlage für die Politik- und Kunstplattform und ihre Initiativen. Dem Umzug der Kernbelegschaft der `Tachelesen´ aus der Berliner Kreativen Mitte, ins angesagte wenn auch deutlich abgelegenere, Neuköllner `Rollbergviertel´ folgt man mit moderne21 jedoch nicht.

Nun stellt sich allerdings in elitären Kunstkreisen die frage, ob die Politik- und Kunstplattform wenn schon nicht mehr geographisch so doch zumindest noch inhaltlich zur ominösen 'Kreativen Mitte', die in den 2010er Jahren in der Hauptstadt offensichtlich eine Art Qualitätssiegel darstellt, gezählt werden kann: Die Mitte sei zwar nicht perfekt, aber sie sei immer noch das Beste, was wir haben: Linker als rechts - rechter als links ... . Gute Menschen und Unmenschen machten um sie gleichermaßen instinktiv einen Bogen. Die Mitte sei nicht extrem, sie könne es nicht sein - außer in Zeiten, in denen ohnehin alles zu Extremen neige. Von solchen Zeiten seien wir zwar weit entfernt, aber dennoch beugten wir mit Hilfe anheimelnder Aktionen und kryptischen Kunstformen lieber vor.


Vertreibung

¡Adios Amigos!

Im Nachhinein können kaum Zweifel daran bestehen, dass die Macherinnen und Macher der Initiativen `Dudelstopp´, `Wir-sind-wichtig´, `Wahlzusage´ und `Gewalt-geht-immer´ von ihrer Verbindung mit der robusten Ruine in Berlin-Mitte stark profitierten. Man war gerade noch zur richtigen Zeit am richtigen Ort dabei, bevor in der selbsternannten Kulturmetropole Berlin endgültig die Amigos das Ruder an sich reißen und das gewachsene Kunsthaus im Namen der 'Stadtentwicklung' zerstören konnten.

Die über lange Zeit rechtlich prekäre Situation des Tacheles ließ die Künstler eine effektive Wagenburgmentalität entwickeln. Sie führte neben vielen nötigen Zugeständnissen und persönlichen Opfern der dort Ansässigen und Arbeitenden positiv dazu, dass die verschiedenen Fraktionen und Einzelpersonen sich über kreative, ideologische und kulturelle Barrieren hinweg Kunsthaus 'Tacheles'verständigten und arrangierten. Im Gegensatz zu anderen durch Politik und Wirtschaft abgesicherten Kultur-Institutionen waren die `Tachelesen´ davor gefeilt, in elitärer Selbstgefälligkeit zu verharren: Sie mussten sich und ihre Kunst immer wieder auch vermeintlich `unter Preis´ - etwa an die Touristenströme – verkaufen, um den Fortbestand des unabhängigen Hauses zu sichern.

Offenbar machte sich das Kunsthaus bei den Berliner Entscheidungsträgern dadurch verdächtig, dass es sowohl ohne nennenswerte Sponsoren als auch ohne die Unterstützung verdienter Parteipolitiker auskam. Als progressive Künstlerinitiative gestartet, wurde die Institution einerseits der politischen Linken Berlins bald zu undogmatisch – andererseits erwiesen sich Konservative und Liberale als unfähig, die in den eigenen Sonntagsreden gepriesene freiheitliche Selbstbestimmung, die tagtäglich im und ums Tacheles herum gelebt und verteidigt wurde, zu erkennen und zu unterstützen. Wer weiß, ob sie noch einmal eine ähnliche Chance erhalten.


Wahlkampf

Von Tacheles zu Tucholsky

Unmittelbar vor der Bundestagswahl 2013 wurde das Hörspiel `Staatsnah ... geht die Moderne stiften´ von Hartmut Lühr veröffentlicht, das sich satirisch mit dem institutionalisierten Stiftungswesen auseinandersetzte:

Das Stück spielte in der imaginären Zentrale der staatsnahen Stiftung "moderne21", in der es hoch her ging: Um die nur an einen einzigen Bewerber zu vergebenden Fördergelder konkurrierten gleich vier Vereine, die jeweils einen persönlichen Vertreter vorbeigeschickt hatten. Die Kuratoren sahen sich vor eine schwere Wahl gestellt, denn die um die kräftige Finanzspritze streitenden Damen und Herren der Initiativen "Dudelstopp", "Wir-sind-wichtig", "Wahlzusage" und "Gewalt-geht-immer" gingen alles andere als zimperlich miteinander um. Wer stritt am gewieftesten für seinen Verein? Wer beherrschte den im öffentlichen Diskurs seit einigen Jahren dominierenden 'Neusprech' am besten ? Gegen Ende der Politsatire sollte es eigentlich einen ehrlichen Gewinner geben. Aber entgegen aller Routine war Betrug im Spiel und es lief doch nicht alles glatt.

Zur Premiere in der Berliner Tucholsky-Buchhandlung erschien auch die offizielle Sprecherin des Deutschen Stiftungsverbandes, die sich mit der Art und Weise, wie in dem Hörspiel mit bürgerlichem Engagement umgegangen wird, nur wenig anfreunden konnte. Immerhin blieb die Wahlberichterstattung des Jahres 2013 von dem Hörspiel mit seinen Sprechern um Manfred Callsen nicht gänzlich unbeeinflusst: Ein bekanntes Hamburger Nachrichtenmagazin hielt die satirische Figur der `Sonja Schmidt-Peters´ für real und ließ in seinem Titelstory-Pamphlet über Nichtwähler kein gutes Haar an der von Schauspielerin Nadia Panknin mit überzeugender Hingabe gespielten Rolle. Es folgte ein 'Shitstorm' im Internet, worauf sich das Magazin offenbar veranlasst sah, eine Ausgabe später eine Korrektur veröffentlichen. Eine verdiente späte Genugtuung für die Mitstreiter von moderne21.



zivilgesellschaftliche Initiative 'Wahlabsage'



Initiative 'Dudelstopp'

Lautstarker Einsatz für die Stille

Als soziale Bewegung, die sich u.a. mit satirischen Mitteln Gehör verschafft, engagiert sich die Initiative `Dudelstopp– Musik ohne Zwang´ gegen unfreiwilligen Musikkonsum im alltäglichen Leben. Handelt es sich bei diesen Leuten um Profilneurotiker und Sonderlinge oder haben sie tatsächlich recht, wenn sie eine Gesellschaft fordern, in der Musik möglichst im Einvernehmen aller Anwesenden erklingen soll ?

Zunächst polterte man unter dem Slogan `Musik ohne Zwang´ heftig gegen die Freunde kostenloser Hintergrundmusik und heimste damit zahlreiche Solidaritätsbekundungen überforderter Verbraucher ein. Mit Aussagen wie „unter einem wummernden Kophörer ist selten die Intelligenz, aber um so häufiger das ADS-Syndrom zu Hause“ wurde billiger Beifall eingeheimst. Zunächst hielt Dr. Sonja Peters (inzw.: Schmidt-Peters) vom Verband der dt. Beschallungsindustrie (VDBSI) als eine der wenigen Besonnenen mit nüchternen Argumenten dagegen. Heute arbeitet sie für uns, wobei das mediale Umfeld nicht einfach ist: Die Inhalte von Privatsendern wie RTL2 oder Pro7 lassen die Jugend nicht aggressiv werden oder verrohen, sondern bereiten sie im Gegenteil darauf vor, alltägliche Probleme in zivilisierter Form mit Hilfe von Argumenten in den Griff zu bekommen. Es gibt also Grund zur Hoffnung auf weiterhin angemessene Umgangsformen in der Bundesrepublik.

Aber nicht nur Jugendliche machen/haben Probleme: Durch die geplanten Tarifsteigerungen der Rechtegesellschaft GEMA für das öffentliche Abspielen von Musik sehen sich viele Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Nun geriet auch die Initiative `Dudelstopp´ in die Kritik: Mit ihrem Engagement soll sie den Boden für das umstrittene Vorgehen der Gema bereitet haben. Ein schwerer Vorwurf! Dennoch stehen auch Kulturschaffende auf unserer Seite: Der ehemalige Musiker Hardy Klaschka beispielsweise versucht, unserer Initiative Fördergelder einer Hamburger Stiftung zu sichern. Um die Wirtschaft nicht zu verprellen, gibt er sich unter dem Deckmantel der `Satire´ vorübergehend tolerant gegenüber den Verteidigern und Profiteuren von Wartezimmer-, Fahrstuhl- und anderer Konservenmusik.


Initiative 'Gewalt geht immer'

Gebt eure Waffen ab !

Der Umgang mit Gewaltkriminalität durch Polizei, Justiz und Innenpolitik ist vorbildlich und wird von den Bürgern mit großem Vertrauen belohnt. Gewalt ist ein natürlicher Teil der sozialen Ordnung – ohne sie käme es zu Anarchie. Verantwortungsbewusste Frauen und Männer sollten sich bemühen, aggressive Menschen nicht durch übertrieben selbstbewusstes oder unnötig couragiertes Verhalten zu provozieren.

Öffentliche Diskussionen über Kriminalpolitik drehen sich häufig um Phänomene aus den Schlagzeilen, wie Killerspiele, Raubüberfälle oder Geiselnahmen. Verantwortliche aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft stellen sich dabei dem Unmut vieler Bürger über paradox wirkende Urteile aus der Strafjustiz und die angeblich zunehmende Gewaltbereitschaft. Aber auch wir müssen uns Kritik stellen: Mitglieder des überparteilichen Arbeitskreises Gewaltverbrechen – nein, danke ! ("Gebt Eure Waffen ab und lasst den Hass zu Hause!") kritisieren die Initiative `Gewalt geht immer´, weil man dort eine Versöhnung zwischen Gewaltkriminalität und Gesellschaft sowie das Ende der Legende eines möglichen Abbaus gefährlicher Kapitalverbrechen fordert.

Die meisten vom Projekt Gewalt-geht-immer dokumentierten Aussagen verdeutlichen, dass es zum Thema 'Umgang mit Schwerkriminellen' nahezu ebenso viele Meinungen wie Experten gibt - Christian Pfeiffer und Toni Feller lassen grüßen. Klar ist nur, dass Eugen Sorg mit seiner Argumentation für die Existenz des Bösen auf der Welt gänzlich falsch liegt. Derweil war Alexander Opaschewsky dieses Jahr unser Mann in Hamburg: Bei der zivilgesellschaftlichen Stiftung 'moderne21' kämpfte er für unsere Initiative um die jährlich fließenden Fördergelder aus dem Spendentopf. Das Rennen machte zwar die Konkurrenz, aber dennoch gelang es Opaschewsky, dass über `Gewalt geht immer´ viel diskutiert wurde.


Initiative 'Wahlabsage'

Wählen oder Nicht-Wählen

Nichtwähler hatten über Jahrzehnte einen denkbar schlechten Stand in der Öffentlichkeit und sahen sich viel Kritik und Anfeindungen ausgesetzt. Nach der Wahl des 'Unmenschen' Donald Trump, dem verlorenen Brexit-Referendum und dem Erscheinen der AfD begegnen Politiker und Meinungsmacher ihnen mittlerweile jedoch mit deutlich mehr Nachsicht. Was steckt hinter dieser neuen Sanftheit: Pragmatismus oder Heuchelei ?

Die Frage 'Wählen oder Nicht-Wählen' entzweit in letzter Zeit die Meinungen sowohl professioneller als auch normaler politischer Beobachter in der Bundesrepublik. Wir unterstützen die Bemühungen von Vereinen wie dem Bundesverdienstkreuz-bewährten `Mehr Demokratie e.V.´ zur Förderung von mehr Volksabstimmungen und einem besseren Wahlrecht. Satire entspringt schließlich häufig dem Wunsch nach Veränderungen. Dies sehen auch viele Mitstreiter der Initiative `Wahlabsage´ so.

Wahlen: Rettung für EuropaWas ist heutzutage eigentlich noch 'links' und was 'rechts' ? Diese Frage beschäftigt nicht nur den einen oder anderen verträumten Feuilletonisten, sondern auch uns von der Initiative 'Wahlabsage'. Ausnahmslos jede respektable politische Aktrice und jeder Akteur wird sich in diesen Tagen realistischerweise im politischen Spektrum `links´ verorten, wenngleich `linkes Fühlen´ durchaus nicht zwangsläufig zu `linkem Handeln´ führen muss. Nicht zuletzt, da das wirklich Politische heute kaum noch Macht hat und an diesem Zustand ohne Gewalt nichts zu ändern ist. Gewalt ist selbstverständlich ein vollkommen untaugliches Mittel, etwas zu verändern. Anders sieht es da schon mit politischen Stiftungen aus: Jährlich vergibt die Stiftung `moderne21´ Fördergelder an eine besonders verdiente zivilgesellschaftliche Initiative. Zuletzt holte unsere Mittels`frau´ Aleyna Gökdal die Mittel zu `Wahlabsage´. Diese Initiative tritt zwar für jedwede Quotierung in der Berufswelt ein, aber dass es in diesem Fall ganz ohne ging, erfüllt uns doch mit einem gewissen Stolz.


Initiative 'Wir sind wichtig'

Karrierefrauen und Karrieremänner würdigen

Immer mehr Menschen treten wegen ihrer Unentbehrlichkeit in Beruf und neuen Medien in ihrem Sozialleben kürzer. Sie bringen große Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft und damit das Gemeinwohl. Der daraus häufig resultierende Verzicht auf Familienleben und emotionale Stabilität ist kein Pappenstiel. Die Initiative 'Wir-sind-wichtig' zollt den modernen Bürgern zusammen mit der Politik daher größten Respekt.

Der Name 'Wir sind wichtig' dieser wirtschaftsnahen Initiative beschreibt die verbreitete Selbsteinschätzung moderner Individualisten. Sich ihrer Einzigartigkeit bewusste und von Bindungszwängen weitestgehend befreite Menschen bilden das Rückrad einer leistungsfähigen Ökonomie sowie eines expandierenden Wohlfahrtsstaats. Und das ist gut so. Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft sollten den Gelderwerb im Allgemeinen und die berufliche Karriere im Besonderen als Dreh- und Angelpunkte modernen Lebens aufwerten. Illusionen schutzspendender familiärer Bindungen sind trügerisch und gefährlich. Viel eher müssen Karrierefrauen und Karrieremänner gewürdigt, ermutigt und getröstet werden.

Die forcierte Globalisierung verlangt den Menschen große Opfer für das Funktionieren der Wirtschaft ab. Oft ohne, dass diese sich dessen bewusst sind. Dahinter steckt zwar keine böse Verschwörung, aber weil der Verzicht auf Familienleben und emotionale Stabilität kein Pappenstiel ist, muss die `kreative Mitte´ den Menschen mit Zerstreuung Trost verschaffen. Kritik an den Folgen der individualisierten Gesellschaft ist potentiell unbequem. Gerade die Redakteure der Massenmedien halten sich hier auffällig zurück. Daher setzte moderne21 für die 'wir-sind-wichtig'-Initiative zunächst auf den üblichen und bewährten `Betroffenheits-Jargon´ für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Die positive Resonanz gab den Aktivisten recht.


Satire-Hörspiel

Moderne und staatsnahe Stiftung

Die staatsnahe Stiftung 'moderne21' fördert jährlich eine zivilgesellschaftliche Initiative mit einer hohen Summe. Dieses Mal gibt es gleich vier Bewerber, die die Stiftungskuratoren vor eine schwere Wahl stellen: Um die Finanzspritze konkurrieren persönliche Vertreter der Initiativen `Dudelstopp´, `Gewalt-geht-immer´, `Wir-sind-wichtig´ und `Wahlzusage´. Wer streitet vor den Kuratoren am gewieftesten für seine Initiative ? Die Antwort auf diese Frage wurde als Satire-Hörspiel festgehalten.

Aleyna Gökdal vertritt die Initiative `Wahlabsage - Mehr Demokratie, weniger Politik´ aus ureigenster Überzeugung. Litt sie doch als Jugendliche mit Migrationshintergrund ganz besonders unter dem deutschen Schulsystem, für das Gerechtigkeit und Gleichheit nach wie vor Fremdworte sind. Nur die Politik kann hier ihrer Ansicht nach für Fortschritt sorgen.
Der Initiative `Dudelstopp – wollen wir Friedhofsruhe ?´ möchte der ehemalige Musiker Hardy Klaschka Fördergelder sichern. Die Bewegung will der mit dem demographischen Wandel aufziehenden Friedhofsruhe mit einem beherzten Beschallungsprogramm entgegenwirken. So etwas kostet natürlich Geld, denn selbst Konservenmusik ist nicht umsonst.
Manuela Holpert-Mang ist der Überzeugung, dass das Stiftungsgeld bei der Initiative `Wir sind wichtig – der Wirtschaft zuliebe´ am besten angelegt wäre. Unterstützt die Gruppe doch seit Jahren moralisch jene Menschen, denen die vollständige Ausrichtung ihres Lebens nach den Bedürfnissen der Ökonomie zunehmend Probleme bereitet.
Die Initiative `Gewalt geht immer – violare humanum est´ schließlich wäre für Albrecht Opaschowsky der geeignetste Nutznießer der Förderung. Die Organisation räumt nach eigenen Angaben mit rosaroten Illusionen bei der Kriminalpolitik auf und hilft so den Bürgern, die Gefahren des Alltags realistischer einzuschätzen und sich selbst zu schützen.


Bündnis 'Kreative Mitte'

Das Beste, was wir haben

Die Mitte ist zwar nicht perfekt, aber sie ist das Beste, was wir haben: Linker als rechts - rechter als links ... . Gute Menschen und Unmenschen machen um sie gleichermaßen instinktiv einen Bogen. Die Mitte ist nicht extrem, sie kann es nicht sein - außer in Zeiten, in denen ohnehin alles zu Extremen neigt. Von solchen Zeiten sind wir zwar weit entfernt, aber dennoch beugen wir lieber vor.

Die `kreative Mitte´ steht linker als rechts und rechter als links: Gute Menschen und Unmenschen machen um sie gleichermaßen instinktiv einen Bogen. Das ist auf jeden Fall ein positives Zeichen: Gemeinsam gegen Störenfriede und Provokateure ... Die Staatsräson der Konsensgesellschaft ist uns schließlich seit Jahrzehnten lieb und teuer. Über die Verortung der `kreativen Mitte´ innerhalb der politischen Geometrie machen sich viele kluge Köpfe Gedanken. Fest steht jedenfalls: Ob Egalitarismus, Individualismus oder Humanitarismus; Soziokratie, Demokratie oder Plutokratie - hierüber sollte man schwindelfrei grübeln und mit beiden Füßen fest auf der Erde stehen. Oder darüber. Daneben ?

Die von den vielen Handlungsoptionen der Postmoderne bereits stark überforderten Menschen sollen nicht noch zusätzlich verunsichert werden. Die Bemühungen der Mächtigen in Wirtschaft und Politik um die sichere Zukunft der Gesellschaft sind daher nicht durch überzogene basisdemokratische Anforderungen zu erschweren. Das ist in der Kunst ähnlich. Die `kreative Mitte´ ist nicht an eine einzelne Stadt oder gar einen speziellen Bezirk gebunden, aber dennoch macht man sich in Berlin-Mitte, wo einst auch das `Kunsthaus Tacheles´ stand, besonders viele Gedanken über die Beschreibung als `kreativ´. Klingt das nicht zu elitär ? Will man wirklich so sein ? Grenzt man damit nicht andere aus ? Im Vorfeld der Präsentation eines Manifests der 'Kreativen Mitte' Berlins wurde Kritik an dessen erwarteter ideologischer Ausrichtung laut. Möglicherweise spielte dabei die anti-etatistische Koketterie der Veranstalter eine Rolle, die dem traditionell der Idee des Versorgungstaats anhängenden Künstlermilieu entgegen läuft.


Bündnis 'Berliner Mehrwert'

Berlin ist mehr wert

Die Kritik daran, dass Berlinerinnen und Berliner als Hauptprofiteure des Länderfinanzausgleichs de facto `mehr wert´ sind als Bewohner anderer Bundesländer, läuft ins Leere. Vielmehr werden aus der von den Hauptstädtern geleisteten gesellschaftspolitischen Pionierarbeit früher oder später alle Bürger großen Nutzen ziehen, denn die Aufwertung des Berufs- gegenüber dem Familienleben ist unumkehrbar.

Seit einiger Zeit ist das Phänomen des 'Berliner Mehrwerts' Gegenstand einer neuen Gerechtigkeitsdiskussion um die nicht zuletzt durch den Länderfinanzausgleich bedingte finanzielle Besserstellung der Hauptstädter auf Kosten der Steuerzahler in anderen Bundesländern. Berlin hat unbestreitbar eine gesellschaftspolitische Vorreiterinnenrolle inne. Das Gezerre um den Länderfinanzausgleich bietet daher die Chance, auch noch auf anderen gesellschaftspolitischen `Baustellen´ voranzukommen. Die durch den Gesetzgeber geförderte Angleichung der Geschlechter, die in Berlin bereits besonders weit fortgeschritten ist und die das tägliche Zusammenleben weiblich, männlich und divers geprägter Menschen weitaus erträglicher macht als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war, ist nur ein Aspekt der Fortschrittsorientierung der Hauptstadt.

Wenn man die Themen 'quasi-staatlicher Zwang zu hedonistischen Lebensstilen', 'Selbstausbeutung in der digitalen Bohème' und 'Vereinsamung durch Individualismus' behandelt, kommt man um eine Bestandsaufnahme über das Leben in der Hauptstadt Berlin nicht herum. Glücklicherweise erweisen sich viele Einwohner der Spree-Metropole als sehr auskunftsfreudig: Im Zuge der Aktion 'Wir Berliner sind wichtig(er)' wurden Bewohner der Hauptstadt über ihre Meinung zum Verhältnis zwischen der einzigen deutschen Metropole und dem Rest der Republik befragt. Die Antworten waren mitunter sehr aufschlussreich.


Kunsthaus Tacheles

Die Mitte hatte mal ein Kunsthaus

Hier finden sich einige Gedanken, Fakten und Verweise zum Berliner Tacheles-Skandal. Das weltbekannte Kunsthaus wehrte sich jahrelang gegen die Machenschaften einer enthemmten Finanzindustrie. Berliner Politiker - wie etwa Kultursenator Klaus Wowereit - konnten oder wollten den Künstlern nicht helfen (Einige Personen- sowie Firmennamen wurden als Schutz gegen professionelle Rechtsverdreher geändert).

Die näheren Umstände des Tacheles-Verkaufs in 1998 müssten eigentlich juristisch aufgeklärt werden. Die Steuerzahler fragen zu Recht, wer von dem im Nachhinein rechtlich fragwürdig wirkenden Deal profitiert hat: Die Bürger sowie die Künstlerinnen waren es jedenfalls nicht. Scheinbar haben Unternehmer zusammen mit ihnen gewogenen Politikerinnen das Gemeinwesen übervorteilt. Entgegen dem Vorhaben der Zwangsverwalter, die sie lieber gestern als heute rauswerfen wollten, verweilten die Künstler noch lange im Tacheles. Sie erhielten viel Rückhalt von den Bürgern. Die Gläubiger-Bank hätte einsehen müssen, dass sich das gesamte Areal nicht mehr im Eigentum ihrer insolventen Schuldnerin sondern der Bundesrepublik Deutschland befand.

Auf politischer Ebene werden Kultursenator Klaus Wowereit (als Bürgermeister konnte er noch nicht genug Gutes für Berlin tun, daher war er zusätzlich auch noch Kultursenator) sowie der Bundestags-Kulturausschuss nicht darum herum kommen, sich offenen Fragen im Tacheles-Skandal endlich zu stellen und eine nachträgliche Einigung jenseits privater Security-Gewalt herbei zu führen. Bei einem weiteren Herauszögern der Aufklärung des Tacheles-Skandals wird die SPD weiteren politischen Schaden nehmen. Es gibt immer mehr Versuche, Besitzverhältnisse am Recht vorbei mit Hilfe privater Sicherheitsdienste zu verändern. Stellvertretend für viele Opfer leisten die Künstler des weltbekannten Tacheles Öffentlichkeitsarbeit gegen die neuen Methoden der White-Collar-Kriminellen. Ihr Berliner Tacheles-Skandal darf nicht zum Menetekel für unsere Gesellschaft werden.